Gründung
Nachdem in Niedergösgen schon in den 1860er Jahren eine nicht als Verein organisierte Gruppe sich der Blasmusik annahm, gründeten am ersten August 1880 neun junge Männer die Musikgesellschaft Niedergösgen mit dem Zweck, die Musikgesellschaft fortsetzen und wiederbeleben zu können.
Die ersten Vereinsjahre gestalteten sich allerdings wild. Es ist der ersten Vereinschronik aus dem Jahr 1950 zu entnehmen: "Der grösste Hemmschuh war jeweilen die Unverträglichkeit und Unbeherrtschtheit einzelner Mitglieder. Gewisse Mitglieder wurden 3-4 Mal vom Vereine ausgeschlossen. Es heisst im Protokoll: 'die Feder sträubt sich, die Vorgänge zu schildern, die zum Ausschluss führten'." Des Weiteren ist in der Chronik zu lesen: "Es wirft auch ein Licht auf die Geistesverfassung dieser Hitzköpfe, wenn man am Tage nach einem Ausflug oder Konzert verbeulte und zerschlagene Instrumente in den Strassengräben fand."
Der Einzug der Frauen
Mit der Umstellung von der reinen Blechmusik zur Harmoniebesetzung mit Holzblasinstrumenten war auch der Weg frei für den Einzug der Frauen in die MGN, die bisher eine reine Männerdomäne war. An der Herbstversammlung 1967 nahm man mit Fräulein Yvonne Fischer erstmals eine Dame als Klarinettistin in den Verein auf. 1969 wurde dann Fräulein Annemarie Stettler als zweite Frau in den Verein aufgenommen und ihr zugleich der Klarinettenunterricht übertragen.
Die Ernüchterung und die Suche nach immer grösseren Herausforderungen
Nach 13-jähriger Wettkampfabstinenz versuchte die MGN 1979 am Kantonalen Musikfest in Dornach an die vergangenen Erfolge anzuknüpfen und nahm zum ersten Mal in Harmoniebesetzung in der 1. Klasse teil. Die Ernüchterung kam an der Rangverkündigung, als wir feststellen mussten, dass wir in dieser langen Wettkampfabstinenz «den Zug verpasst hatten» und mit Abstand den letzten Platz belegten. Glücklicherweise zogen wir aus dieser Niederlage eine Lehre und meldeten uns am nächsten Kantonalen Musikfest in Balsthal 1984 in der 2. Stärkeklasse wieder an, um eine weitere Standortbestimmung vorzunehmen. Das Durchhalten lohnte sich, durften wir uns doch im Selbst- und im Aufgabenstück im 2. Rang feiern lassen. Dieser Erfolg gab uns Lust auf eine ganz besondere Herausforderung.
Durchführung des 14. Solothurnisch Kantonalen Musikfestes vom 23. bis 25. Juni 1989
Was zuerst als Bieridee belächelt wurde, wurde immer mehr zur Realität. An der Jahresversammlung 1986 beschloss der Verein, das Kantonale Musikfest 1989 in Niedergösgen durchzuführen, und meldete das Interesse dem Kantonalvorstand an. An der Delegiertenversammlung 1986 übertrugen die Delegierten das Fest der Musikgesellschaft Niedergösgen. Unsere in Festen erprobten Männer und Frauen legten sich kräftig ins Zeug und konnten bald das ganze Dorf hinter sich scharen, um das grösste Fest, das Niedergösgen bis dahin je sah, zu organisieren. An dieser Stelle muss noch einmal der ganzen Bevölkerung von Niedergösgen und allen Vereinen für ihre Solidarität zur Musikgesellschaft gedankt werden. Ein ganz besonderer Dank gebührt unserem Ehrenmitglied und OK-Präsidenten Bruno von Däniken, der in kompetenter Weise die Fäden straff in seinen Händen hielt und das Fest zum grössten Erfolg in der Geschichte der MGN machte.
Schweizer Woche in Bemmel (NL), verbunden mit dem Internationalen Viertagemarsch in Nijmegen
Noch während der Vorbereitungen zum grossen Musikfest wurden wir durch unseren damaligen Dirigenten Herrn Fredy Lemp mit der Anfrage überrascht, vom 13. bis 20. Juli 1991 am Internationalen Viertagemarsch in Nijmegen in Holland als schweizerisches Musikkorps mitzumachen. Herr Hans Reber, Präsident der Musikgesellschaft Interlaken, orientierte uns an einem Vortragsabend über den Viertagemarsch in Nijmegen. Trotz der Möglichkeit, einen hervorragenden musikalischen Anlass zu erleben, gab es von einigen Mitgliedern heftige Opposition gegen dieses Vorhaben. Dennoch stimmte der Verein mit grossem Mehr für die Teilnahme am Viertagemarsch. Als OK-Präsident konnte unser Ehrenmitglied Herr Urs Meier verpflichtet werden, der mit seinen militärischen Kenntnissen und seiner straffen Führung die grosse Teilnehmerschar jederzeit im Griff hatte. Es würde den Rahmen dieses Berichts sprengen, die vier Tage, die von einem Höhepunkt zum anderen führten, im Detail zu schildern.
So erlebten wir in Holland zusammen mit dem Tambourenverein Erlinsbach 4 unvergessliche Tage, welche musikalisch und kameradschaftlich in guter Erinnerung bleiben werden. Auch die entstandenen Freundschaften mit den holländischen Gastfamilien werden zum Teil noch heute aufrechterhalten.
Erneute Schweizer Woche in Bemmel (NL), verbunden mit dem Internationalen Viertagemarsch 2015
Der internationale Viertagemarsch in Njimegen im Rahmen der Schweizer Woche in Bemmel, Holland, mit der Musikgesellschaft Niedergösgen und dem Tambourenverein Erlinsbach ist Geschichte. Das unvergessliche Erlebnis wird aber bei allen Beteiligten noch lange Zeit für Gesprächsstoff sorgen. Alles hatte begonnen mit einer Anfrage von den Angehörigen der Schweizer Armee, die die Musikgesellschaft Niedergösgen und den Tambourenverein Erlinsbach überrascht und dennoch sehr gefreut hat. Dann kam die spontane Zusage des Gemeindepräsidenten von Niedergösgen, Kurt Henzmann, und dessen Frau Gaby, die Expedition zu begleiten. Das freute alle sehr. Beide durften den jeweils freundlichen Empfang der holländischen Behörden haut- nah miterleben.
Das OK Holland, vorab mit Dini te Dorsthorst und ihren beiden Helfern, leistete hervorragende Arbeit. Die liebevolle und unkomplizierte Betreuung, sowie die durchdachte Organisation beeindruckten sehr. Die ehrliche, herzliche und mit Tränen erfüllte Verabschiedung sprach für sich. De 4 Daagse in Nijmegen auf diese Art und Weise und so nah miterleben zu dürfen, war eine Bereicherung sondergleichen und wird bestimmt positiv in die Geschichte der beiden teilnehmenden Vereine eingehen.
Die Musikgesellschaft Niedergösgen und deren Dirigent Christoph Oeschger sowie der Tambourenverein Erlinsbach mit Reto Käser an der Spitze beeindruckten mit ausgezeichneter Disziplin und Pünktlichkeit, spontaner Hilfsbereitschaft und super Kameradschaft trotz oft strapaziertem Durchhaltewillen. Die langen und anstrengenden Tage wurden jeweils vom Schweizer Marschbataillon und den Marschieren- den mit einer Welle oder mit Applaus verdankt. Das war doch sehr beeindruckend. Das einmalige, unvergessliche Erlebnis bereitete allen Teilnehmenden einen Riesenspass. Es war zugleich sehr eindrucksvoll, das Schweizer Marschbataillon und die über dreiundvierzigtausend Marschierenden begleiten zu dürfen.
Ein wunderschönes und sehr emotionales Ereignis war die Kranzniederlegung auf dem kanadischen Friedhof. Das gesamte Schweizer Marschbataillon und alle Musikantinnen und Musikanten sowie die Tambouren legten auf einem Grab eines jungen gefallenen kanadischen Soldaten (meist Fallschirmgrenadiere) eine Rose nieder. Der Bataillonskommandant Edgar Gwerder hielt eine kurze Ansprache mit dem Schlusszitat an alle Menschen der Welt: «Krieg können wir. Frieden müssen wir noch lernen. Wahrscheinlich wird es uns nie gelingen.»
Alle Mitreisenden und Angehörigen waren schliesslich glücklich, dass die ganze Gesellschaft wieder gesund und heil zu Hause ankam. Eine grossartige Arbeit haben auch viele liebe Helfer im Hintergrund geleistet.
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